News · 27. August 2026

BKFC vor historischem Fenway-Debüt

BKFC 92 bringt erstmals genehmigte Bareknuckle-Kämpfe nach Massachusetts. Im Fenway Park tragen Kai Stewart und Harry Gigliotti den sportlichen Teil eines wichtigen Image-Tests.

Bild: Bare Knuckle Fighting Championship (BKFC) / offizielles Eventmotiv

Bare Knuckle Fighting Championship betritt am 29. August eine Bühne, die größer ist als die Namen auf der Fightcard. BKFC 92 findet auf dem Spielfeld des Fenway Park in Boston statt und wird die erste von der Massachusetts State Athletic Commission genehmigte Bareknuckle-Veranstaltung im Bundesstaat. Im Hauptkampf verteidigt Federgewichtschampion Kai Stewart seinen Titel gegen Harry Gigliotti. Beide sind ohne Handschuhe noch ungeschlagen.

Für BKFC ist der Abend deshalb zugleich Sportereignis und Belastungsprobe. Die Promotion will zeigen, dass sie nicht mehr nur von der Provokation eines lange verbotenen Formats lebt. Ein reguliertes Event in einem der bekanntesten US-Stadien verlangt mehr: nachvollziehbare Regeln, verantwortbare Paarungen und eine Veranstaltung, die auch jenseits spektakulärer Schnittwunden als professioneller Kampfsport bestehen kann.

Sieben Jahre bis zur Genehmigung

Der Weg nach Fenway begann nachweislich lange vor der aktuellen Fight Week. Bereits im März 2019 wurde der Massachusetts State Athletic Commission ein Bareknuckle-Konzept vorgelegt. Damals diskutierte das Gremium Regeln, Handbandagen sowie Angaben zu Verletzungen und verwies den Vorschlag zur weiteren Prüfung an sein medizinisches Beratungsgremium. Eine Veranstaltung kam zunächst nicht zustande.

Am 15. Juni 2026 fiel die Entscheidung. Nach einer Besprechung des Hintergrunds der Promotion und medizinischer Daten früherer Veranstaltungen erkannte die Kommission BKFC einstimmig als neue Form des unbewaffneten Kampfsports in Massachusetts an. Mit jeweils 5:0 Stimmen übernahm sie die einheitlichen Bareknuckle-Regeln der Association of Boxing Commissions und genehmigte anschließend BKFC 92. Es handelt sich damit nicht um eine unkontrollierte Ausnahme, sondern um einen eigens regulierten Wettbewerb unter Aufsicht der staatlichen Kommission.

Die Regeln unterscheiden das Format deutlich vom klassischen Boxen, ohne es zu einem regellosen Kampf zu machen. BKFC setzt fünf Runden zu je zwei Minuten an. Zu Beginn stehen die Kämpfer mit dem vorderen Fuß auf zwei drei Fuß voneinander entfernten Linien; aus dem Clinch darf geschlagen werden. Gerade die kurzen Runden und der geringe Ausgangsabstand erzwingen früh Entscheidungen.

Stewart gegen Gigliotti trägt die Karte

Der Hauptkampf liefert der historischen Kulisse eine sportlich belastbare Paarung. Stewart steht bei 9:0 und wurde 2023 der erste Federgewichtschampion der BKFC-Geschichte. Laut Promotion kann er in Boston mit seiner sechsten Titelverteidigung einen Rekord einstellen. Der frühere Ringer aus Montana baut seine Kämpfe auf Druck, Kondition und einer hohen Arbeitsrate auf. Seine Gegner erhalten wenig Zeit, Distanz und Rhythmus neu zu ordnen.

Gigliotti bringt den regionalen Gegenpol. Der Herausforderer kämpft aus Haverhill in Massachusetts und steht im Bareknuckle bei 6:0. Vor seinem Wechsel zu BKFC sammelte er eine Profiboxbilanz von 9:5 und gewann außerhalb der Promotion mehrere Bareknuckle-Titel. Sein offizielles Profil beschreibt ihn als Boxer-Puncher, der mit Jab, Körperarbeit und Schlagzahl arbeitet, statt ausschließlich den einzelnen Knockout zu suchen. Mit 72 Zoll führt BKFC für ihn zudem zwei Zoll mehr Reichweite als für Stewart.

Damit entscheidet nicht nur Härte. Gigliotti muss seinen längeren Jab nutzen, ohne Stewart nach jeder Kombination einen geraden Weg in die Halbdistanz zu geben. Der Champion wiederum darf Druck nicht mit blindem Vorwärtsgang verwechseln. Kann Gigliotti ihn beim Eintritt treffen und anschließend seitlich herausarbeiten, wird Stewart zu mehr einzelnen Neuansätzen gezwungen. Schließt Stewart dagegen dauerhaft den Raum, muss der technischere Boxer unter genau dem Tempo arbeiten, das der Champion über fünf kurze Runden erzwingt.

Die Heimatkarte ist bewusst gebaut

Unterhalb des Titelkampfs setzt BKFC stark auf Neuengland. Die früheren UFC-Kämpfer Joe Lauzon und Charles Rosa geben jeweils ihr Bareknuckle-Debüt. Lauzon bestritt seit 2006 insgesamt 27 UFC-Kämpfe und liegt mit 15 Bonusauszeichnungen weiterhin auf Rang zwei der offiziellen UFC-Bestenliste. Seine Verpflichtung schafft lokale Wiedererkennbarkeit, beantwortet aber sportlich noch keine Frage: Erst im neuen Format zeigt sich, wie viel von seinem auf Abschlüssen und Bodenkampf beruhenden MMA-Stil im reinen Schlagabtausch übrig bleibt.

Im Co-Hauptkampf trifft Christine Ferea mit einer BKFC-Bilanz von 11:1 auf Sofia Landi, die auf der offiziellen Eventseite mit 0:0 geführt wird. Ferea ist eine der prägendsten Athletinnen der Promotion, die Erfahrungslücke ist jedoch offensichtlich. Das schwächt die sportliche Tiefe der Karte. BKFC verkauft an diesem Abend nicht durchgehend Duelle auf Augenhöhe, sondern kombiniert einen glaubwürdigen Titelkampf mit regionalen Namen, Debüts und klaren Favoritenrollen.

Fenway ist mehr als Kulisse

Kampfsport im Fenway Park ist älter als BKFC. Boston brachte mit John L. Sullivan einen der prägenden Bareknuckle-Schwergewichte des 19. Jahrhunderts hervor. Im Stadion wurden seit den 1920er-Jahren Boxveranstaltungen ausgetragen; 1956 endete diese erste Ära mit Tony DeMarcos Sieg gegen Vince Martinez. 2025 kehrte das klassische Boxen nach fast 69 Jahren zurück. BKFC erfindet diese Tradition daher nicht neu, sondern versucht, sein eigenes Format in sie einzuschreiben.

Seit dem ersten modernen, regulierten US-Bareknuckle-Event 2018 hat sich der Sport laut Axios in mehr als 30 Bundesstaaten ausgebreitet. Massachusetts ist für BKFC trotzdem ein besonderer Schritt: Die Promotion musste dort seit 2019 Überzeugungsarbeit leisten und erhält nun nicht irgendeine Halle, sondern ein Wahrzeichen der amerikanischen Sportkultur. Präsident David Feldman kündigte bereits an, bei einem erfolgreichen Verlauf jährlich zurückkehren und weitere Events im Bundesstaat veranstalten zu wollen.

Ein Stadion und eine einstimmige Genehmigung beantworten nicht automatisch jede medizinische oder sportpolitische Kritik am Bareknuckle. Sie verändern aber den Maßstab. BKFC kann sich in Boston nicht mehr allein als rebellischer Außenseiter präsentieren. Die Promotion wird daran gemessen, wie sie Athleten schützt, Kämpfe ansetzt und den Abend organisatorisch trägt. Stewart gegen Gigliotti liefert dafür einen überzeugenden Hauptkampf. Ob BKFC 92 wirklich den nächsten Entwicklungsschritt markiert, entscheidet sich daran, ob der Rest der Veranstaltung mit seiner historischen Kulisse mithalten kann.

Quellen

BKFC 92: Historisches Bareknuckle-Debüt im Fenway Park | CS.C