Dulatovs UFC-Ärger
Islam Dulatovs Abu-Dhabi-Rückkehr platzte Stunden vor dem Kampf. Jetzt wird aus der Absage ein Streit um Professionalität, Gewichtskampf und seine neue Flagge.

Islam Dulatov sollte in Abu Dhabi den nächsten großen Schritt machen. Stattdessen steht der Düsseldorfer UFC-Weltergewichtler nach einer kurzfristigen Kampfabsage mitten in einer unangenehmen Debatte. Die UFC strich sein Duell mit Wellington Turman am 25. Juli wegen Krankheit aus der Fightcard. Laut MMA Fighting war Dulatov in der Nacht vor dem Event hospitalisiert worden.
Damit platzte nicht nur ein normaler Auftritt. Dulatov kam mit 12 Siegen und nur einer Niederlage, fast ausschließlich vorzeitigen Finishes und dem Ruf eines der spannendsten deutschen MMA-Exporte in diese Fight Week. Gleichzeitig hatte er wenige Tage zuvor angekündigt, künftig unter türkischer Flagge anzutreten. Aus sportlichem Hype wurde in wenigen Stunden ein Mix aus Absage, Identitätsdebatte und Kritik aus dem gegnerischen Lager.
Turman legt nach
Turman bekam nach eigener Aussage sein Show-Geld, war aber trotzdem frustriert. Der Brasilianer hatte nach langer Pause und mehreren Schulteroperationen auf sein UFC-Comeback hingearbeitet. Gegenüber MMA Fighting warf er Dulatovs Seite mangelnde Professionalität vor. Wichtig: Das ist Turmans Darstellung, keine offiziell bestätigte Ursache der UFC.
Nach Turmans Version soll Dulatov nach dem Wiegen auf Ratschläge aus einem Bodybuilding-Umfeld gehört haben. Dabei seien Shakes im Spiel gewesen, die ihn krank gemacht haben sollen. Die UFC selbst formulierte die Absage nüchterner: Dulatov sei wegen Krankheit raus, der Kampf gegen Turman wurde gestrichen. Genau diese Lücke zwischen offizieller Meldung und gegnerischer Schilderung macht die Story brisant.
Der deutsche Bezug bleibt
Für die deutsche Szene ist Dulatov trotz Flaggenwechsel weiter ein besonderer Fall. Er wuchs in Deutschland auf, trainiert in Düsseldorf und machte seinen Weg über europäische Stationen bis in die UFC. Türkiye Today berichtete kurz vor Abu Dhabi, dass Dulatov türkischer Staatsbürger geworden sei und künftig für die Türkei antreten wolle. Dulatov selbst stellte den Schritt öffentlich als Ehre und als sportliches Bekenntnis dar.
Das ändert aber nicht, dass sein Aufstieg stark mit NRW, lokalen Gyms und der deutschen MMA-Wahrnehmung verbunden ist. Genau deshalb trifft die Absage härter als bei einem austauschbaren Prospect. Dulatov war für viele Fans der Beweis, dass ein in Deutschland geformter Kämpfer in der UFC nicht nur mitlaufen, sondern spektakulär auffallen kann.
Der Hype braucht Kontrolle
Sportlich ist Dulatovs Fall klar: Seine Explosivität verkauft Tickets, Clips und Fantasie. The National beschrieb vor dem Event seine ungewöhnliche Geschichte vom Versace-Model zum UFC-Finisher und verwies auf seine Bilanz mit Knockouts und Submissions. Aber in der UFC reicht der erste Eindruck nicht. Wer vom Prospect zum Contender werden will, muss Fight Week, Gewicht, Rehydrierung und medizinische Kontrolle genauso professionell lösen wie den Schlagabtausch.
Darum ist die nächste Ansetzung entscheidend. Ein neu gebuchter Turman-Kampf hätte sportlich Sinn, wäre aber sofort mit Misstrauen aufgeladen. Ein anderer Gegner würde die Debatte nicht automatisch löschen. Dulatov braucht jetzt vor allem eines: einen sauberen Fight-Week-Ablauf und einen Auftritt, der die Diskussion wieder in den Käfig verlegt.
Mehr als eine Absage
Der Fall ist mehr als ein medizinischer Zwischenfall. Er zeigt, wie schnell ein Karriere-Narrativ kippen kann. Vor Abu Dhabi ging es um den nächsten Finish, die neue Flagge und den Sprung in größere UFC-Gespräche. Nach Abu Dhabi geht es um Professionalität, Vertrauen und die Frage, ob Dulatovs Team aus dieser Woche die richtigen Konsequenzen zieht.
Für Dulatov ist noch nichts zerstört. Seine Bilanz, sein Stil und seine Reichweite bleiben stark. Aber der Spielraum ist kleiner geworden. Beim nächsten Walkout zählt nicht nur, ob er wieder spektakulär gewinnt. Es zählt auch, ob er überhaupt ohne Drama dort ankommt.