News · 24. August 2026

Itaumas Sprung zum IBF-Titel

Moses Itauma kann gegen Filip Hrgovic schon mit 21 Jahren IBF-Weltmeister werden. Der Kroate ist jedoch genau der Gegner, der offene Fragen beantworten kann.

Bild: Queensberry Promotions / offizielles Eventmotiv; 16:9-Formatierung: CS.C

Moses Itauma steht vor einem Karrieresprung, für den andere Schwergewichtler Jahre benötigen. Der 21-Jährige trifft am 29. August in der Londoner O2 Arena auf Filip Hrgovic. Aus dem bereits vereinbarten Duell zweier hoch gerankter Herausforderer ist inzwischen ein Kampf um den vakanten IBF-Weltmeistertitel geworden. Für beide Boxer ist es die erste reguläre WM-Chance.

Der Titel wurde frei, nachdem Oleksandr Usyk den IBF-Gürtel im Juni niedergelegt hatte. Zunächst sollte Itauma gegen Frank Sanchez um die Nachfolge boxen. Weil der Kampf gegen Hrgovic bereits angesetzt war, akzeptierte Sanchez eine Ausgleichszahlung und erhielt im Gegenzug das Recht, den Sieger in dessen erster Titelverteidigung herauszufordern. Am sportlichen Kern der Ansetzung ändert das wenig: Itauma bekommt erstmals einen Gegner, der nicht nur seinen Aufstieg begleiten, sondern ihn selbst beenden will.

Der erste Gegner auf Augenhöhe

Itaumas Bilanz von 14 Siegen und zwölf vorzeitigen Erfolgen erklärt den Hype, aber noch nicht vollständig sein Niveau. Acht Gegner stoppte er bereits in der ersten Runde. Im März brauchte er gegen Jermaine Franklin erstmals seit langer Zeit wieder mehrere Durchgänge und beendete den Kampf in Runde fünf. Seine Beschleunigung, die kurze linke Gerade aus der Rechtsauslage und die schnellen Wechsel zwischen Kopf und Körper sind für einen Schwergewichtler außergewöhnlich. Viele seiner bisherigen Gegner gerieten unter Druck, bevor sie selbst einen Rhythmus entwickeln konnten.

Hrgovic bringt genau jene Eigenschaften mit, die diesen Ablauf stören können. Der Kroate steht bei 20 Siegen, 15 Knockouts und einer Niederlage. Er vereint Größe und Erfahrung mit der umfassenden Amateurschule eines Bronzemedaillengewinners von Rio 2016. Seine einzige Profiniederlage erlitt er 2024 gegen Daniel Dubois. Seitdem gewann er gegen Joe Joyce, David Adeleye und zuletzt Dave Allen, den er im Mai in der dritten Runde stoppte. Hrgovic reist daher nicht als Name aus der Vergangenheit nach London, sondern mit drei Siegen in Serie.

Geschwindigkeit gegen Widerstand

Für Itauma liegt der Schlüssel in der Distanzkontrolle. Er muss Hrgovic mit Führhand, Beinarbeit und Tempowechseln dazu zwingen, sich immer wieder neu auszurichten. Gelingt ihm das, kann er seine linke Schlaghand platzieren, bevor Hrgovic die eigene Rechte vorbereitet. Ein früher Wirkungstreffer ist möglich. Ihn erzwingen zu wollen, wäre jedoch riskanter als in Itaumas bisherigen Kämpfen: Hrgovic ist darin geübt, harte Phasen auszuhalten und im Schlagabtausch selbst zurückzufeuern.

Hrgovic muss den Kampf deshalb nicht spektakulär beginnen. Seine Chance wächst, wenn er die ersten Angriffe ohne großen Schaden übersteht, Itauma mit Jab und rechter Geraden beschäftigt und ihm in Nahdistanz körperliche Arbeit abverlangt. Der Favorit hat als Profi noch nie zwölf Runden bestritten. Wie ökonomisch er boxt, wenn sein Gegner nach der ersten Angriffswelle noch vor ihm steht, gehört zu den wenigen offenen Fragen seiner rasanten Entwicklung.

Das macht die Ansetzung sportlich wertvoll. Itaumas überlegene Geschwindigkeit ist sichtbar; seine Reaktion auf anhaltenden Widerstand bislang kaum. Hrgovic wiederum hat bewiesen, dass er auf hohem Niveau konkurrenzfähig ist, aber noch nicht, dass er einen jüngeren und dynamischeren Spitzenmann über zwölf Runden kontrollieren kann. Gegen Dubois begann er stark, verlor den Kampf später jedoch nach zunehmenden Treffern und schweren Cutverletzungen. In London darf er Itauma daher weder früh zu viel Raum geben noch sich auf einen reinen Abnutzungskampf verlassen.

Eine historische Chance mit Verpflichtung

Gewinnt Itauma, wird er im Alter von 21 Jahren und acht Monaten zum zweitjüngsten Schwergewichtsweltmeister der Geschichte. Nur Mike Tyson war bei seinem ersten Titelgewinn jünger. Diese historische Einordnung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der IBF-Gürtel keine Vollendung seiner Entwicklung wäre. Mit Sanchez wartet bereits der nächste Pflichtherausforderer, während die übrigen bedeutenden Schwergewichtstitel anderswo liegen.

Trotzdem ist der 29. August mehr als eine weitere Station im sorgfältig geplanten Aufbau. Itauma erhält den Titelkampf nicht erst nach einer langen Reihe taktischer Sicherheitsnetze, sondern gegen den bislang glaubwürdigsten Widerstand seiner Profikarriere. Seine Geschwindigkeit und Präzision machen ihn zum Favoriten. Ob daraus schon Weltmeisterqualität wird, entscheidet sich dann, wenn Hrgovic nicht so schnell verschwindet wie viele Gegner zuvor.

Quellen

Itauma vs. Hrgovic: Kampf um den IBF-Titel | CS.C