
Agit Kabayel steht sinnbildlich für die Rückkehr des deutschen Schwergewichtsboxens auf die große Bühne. Was lange Zeit im Schatten stattfand, ist inzwischen ein ausverkauftes Großevent: Am Samstagabend boxt der WBC-Interimsweltmeister ab 19 Uhr im Main Event in der Rudolf Weber-Arena in Oberhausen gegen den Polen Damian Knyba – live auf DAZN.
Rund 13.000 Fans werden den „Local Hero" feiern. Ein Bild, das vor wenigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte.
Vom Kickboxer zum Titelsammler
Dabei begann Kabayels Weg alles andere als glamourös. Geboren 1992 in Leverkusen, aufgewachsen in Bochum-Wattenscheid, fand er über Kickboxen zum Boxsport. Mit 18 Jahren gab er sein Profidebüt, arbeitete sich Schritt für Schritt nach oben und sammelte Titel, lange bevor die große Öffentlichkeit Notiz von ihm nahm.
EU-Meister, Europameister, internationale Gürtel – Kabayel gewann, verteidigte und überzeugte, während er medial oft übersehen wurde. Heute ist die Situation eine andere.
Ungeschlagen an der Weltspitze
Kabayel ist ungeschlagen (26 Kämpfe, 26 Siege, 18 K.o.), WBC-Interimsweltmeister im Schwergewicht und vom Ring Magazine auf Platz drei der Welt gerankt. Spätestens mit seinen eindrucksvollen Siegen gegen Arslanbek Machmudow, Frank Sánchez und zuletzt Zhang Zhilei hat er sich endgültig in der Weltspitze etabliert.
Sein Markenzeichen: intelligente Ringarbeit, starke Beinarbeit und gnadenlose Körpertreffer – nicht umsonst trägt er den Spitznamen „Leberking".
Ein gefährlicher Gegner mit Reichweite
Der Kampf gegen Damian Knyba ist dabei mehr als eine Pflichtaufgabe. Zwar gilt Kabayel als klarer Favorit, doch der Pole ist ebenfalls ungeschlagen und bringt mit 2,01 Metern Körpergröße und enormer Reichweite physische Voraussetzungen mit, die im Schwergewicht immer gefährlich sind.
Für Kabayel ist es dennoch ein Schlüsselduell: Ein überzeugender Sieg könnte den nächsten Schritt Richtung regulärem WM-Kampf ebnen – und damit die Chance, als erster deutscher Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling Geschichte zu schreiben.
Von der Nische zum Aushängeschild
Parallel zum sportlichen Aufstieg wächst auch Kabayels öffentliche Wahrnehmung. Lange Zeit von der Presse nahezu gemieden, ist er heute Talkshow-Gast, Aushängeschild eines ausverkauften PPV-Events und Hoffnungsträger einer ganzen Boxnation. Selbst Trainer Sükrü Aksu gab offen zu, dass er diese Entwicklung so nicht für möglich gehalten hätte.
Die Fangemeinde wächst stetig, „Alle für Agit" ist längst mehr als ein Slogan – es ist ein Bekenntnis.
Agit Kabayel ist auf dem besten Weg, der erste deutsche Box-Superstar seit der Ära der Klitschko-Brüder zu werden. Vielleicht sogar mehr: die Galionsfigur einer neuen deutschen Boxära. Der Samstag in Oberhausen ist dabei kein Ziel, sondern ein weiterer Meilenstein auf einem Weg, der noch lange nicht zu Ende ist.
