
Der Wechsel von Conor Benn zu Zuffa Boxing markiert einen der bemerkenswertesten Einschnitte im aktuellen Profiboxen. Der 29-Jährige hat seine langjährige Zusammenarbeit mit Matchroom Boxing beendet – nicht aus sportlicher Unzufriedenheit, sondern aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen.
Benn selbst spricht von einer Entscheidung, die ihn emotional stark belastet habe. Gleichzeitig macht er unmissverständlich klar, dass das Angebot aus den USA eines gewesen sei, das man kaum ausschlagen könne. Berichten zufolge handelt es sich um einen Deal im achtstelligen Bereich – für einen einzelnen Kampf.
Zwischen Loyalität und Realität
Über Jahre hinweg war Benn eines der Aushängeschilder von Matchroom und eng verbunden mit Promoter Eddie Hearn. Gerade in schwierigen Phasen stand das Unternehmen hinter ihm, was den Abschied für viele Beobachter überraschend machte. Benn betont jedoch, dass es keinen persönlichen Bruch gegeben habe. Vielmehr sei es eine nüchterne Abwägung gewesen – zwischen Loyalität und langfristiger Absicherung.
Der Brite argumentiert mit der Vergänglichkeit des Profiboxens. Die Zeit, in der ein Boxer seinen Marktwert maximal ausschöpfen kann, sei kurz. Heute stehe er im Fokus, in zehn oder fünfzehn Jahren werde sich kaum jemand dafür interessieren, was er einmal erreicht habe. Entscheidend sei, was dann für seine Familie bleibe.
Zuffa als Risiko – und Chance
Mit Zuffa Boxing betritt Benn sportliches Neuland. Hinter dem Projekt steht unter anderem UFC-Präsident Dana White, der bewiesen hat, wie sich Kampfsport global vermarkten lässt. Im Boxen allerdings ist die Ausgangslage komplexer: Titel gehören unabhängigen Verbänden, Matchmaking ist fragmentiert, politische Hürden sind hoch.
Genau hier liegt das Risiko des Wechsels. Sollte Zuffa keine sportlich relevanten Gegner und Perspektiven liefern, dürfte die Kritik an Benn schnell lauter werden. Gelingt es jedoch, ihn sinnvoll zu positionieren, könnte sich der Schritt als wegweisend für seine weitere Karriere erweisen.
Die Entscheidung ist gefallen
Für Benn selbst ist die Rechnung klar: kurzfristiger öffentlicher Gegenwind gegen langfristige Sicherheit. Er sieht sich nicht als illoyal, sondern als realistisch. Sein Team ist geblieben, die Tür zu Matchroom will er bewusst offenlassen. Doch der Fokus liegt nun auf dem nächsten Kapitel.
Der Vertrag ist unterschrieben, der Druck steigt. Conor Benn hat sich für den mutigen Weg entschieden – jetzt muss sich zeigen, ob sich dieser auch sportlich auszahlt.
