News · 5. September 2026

Durics nächster Schritt führt über Diakiese

Fedor Duric trifft bei OKTAGON 94 auf den früheren UFC-Kämpfer Marc Diakiese. Für den 22-jährigen Frankfurter ist es der bisher deutlichste Test, ob sein dritter Platz im Leichtgewicht dem internationalen Vergleich standhält.

Offizielles Fightmotiv: OKTAGON MMA; 16:9-Aufbereitung: CS.C

Mit zehn Profikämpfen steht Fedor Duric bereits auf Rang drei der OKTAGON-Leichtgewichtsklasse. Am 26. September wartet im Frankfurter Deutsche Bank Park nun ein Gegner, dessen Laufbahn beinahe das Gegenstück zu Durics schnellem Aufstieg bildet: Marc Diakiese hat 26 Profikämpfe bestritten, davon 15 in der UFC.

Der Kampf ist deshalb mehr als das klassische Duell zwischen Talent und Erfahrung. Duric bekommt erstmals einen Gegner, der über Jahre auf höchstem internationalem Niveau geprüft wurde. Diakiese wiederum muss zeigen, welchen sportlichen Wert diese Erfahrung bei seinem Einstieg in eine neue Organisation noch besitzt.

Der Ranglistenplatz braucht einen Beleg

Duric hat seinen Aufstieg nicht allein seinem Alter oder dem Etikett des Ausnahmetalents zu verdanken. Seine Bilanz steht bei neun Siegen und einer Niederlage. Sieben dieser neun Erfolge holte er vorzeitig: vier durch Aufgabe, drei durch KO oder TKO.

Auch seine bisher einzige Niederlage war kein deutlicher Rückschlag. Gegen Predrag Bogdanović verlor Duric bei OKTAGON 69 knapp nach Punkten. Anschließend setzte er seinen Weg fort und lieferte im Februar gegen Tomáš Mudroch einen seiner bislang aussagekräftigsten Auftritte.

Mudroch war vor allem für schnelle Abschlüsse im Stand bekannt. Duric nahm ihm diese Stärke, indem er den Kampf früh auf den Boden brachte. Dort arbeitete er kontrollierter und schneller in den Positionswechseln, bevor er das Duell in der zweiten Runde mit Ground-and-Pound beendete. Der Erfolg zeigte, dass Duric längst nicht mehr nur von seinem aggressiven Auftreten und seinen Kickboxwurzeln lebt.

Platz drei im OKTAGON-Ranking ist deshalb nachvollziehbar. Gegen Diakiese muss Duric nun beweisen, dass er diesen Platz auch gegen einen Gegner verteidigen kann, der deutlich mehr unterschiedliche Kampfstile und Drucksituationen erlebt hat.

Diakiese ist kein Name für die Statistik

Marc „Bonecrusher“ Diakiese kommt mit einer Bilanz von 18 Siegen und acht Niederlagen zu OKTAGON. Vor seinem Wechsel in die UFC gewann er den Leichtgewichtstitel der britischen Promotion BAMMA. Zwischen 2016 und 2023 trat er 15-mal im UFC-Octagon an und gewann acht dieser Kämpfe.

Dabei stand Diakiese unter anderem mit Dan Hooker, Rafael Fiziev, Drakkar Klose und Michael Johnson im Käfig. Diese Namen machen ihn nicht automatisch zum Favoriten. Sie zeigen aber, welche Geschwindigkeit, Härte und taktische Anpassungsfähigkeit er bereits kennenlernen musste.

Nach seiner UFC-Zeit besiegte Diakiese Tim Wilde bei Bellator nach Punkten. Sein anschließendes PFL-Debüt endete dagegen nach nur 32 Sekunden: Gadzhi Rabadanov fing einen Kick ab, brachte ihn zu Boden und entschied den Kampf mit Schlägen. Rabadanov war zu diesem Zeitpunkt allerdings amtierender PFL-Champion und einer der stärksten Leichtgewichtler außerhalb der UFC.

Die Niederlage darf nicht ausgeblendet werden. Sie reicht aber auch nicht aus, um Diakieses Leistungsvermögen abschließend zu beurteilen. In Frankfurt kehrt er nach rund anderthalb Jahren ohne Profikampf zurück. Wie schnell er seinen Rhythmus findet, wird eine der zentralen Fragen des Abends.

Duric darf den Veteranen nicht jagen

Diakiese wurde zu Beginn seiner Karriere vor allem wegen seiner explosiven Kicks und spektakulären Aktionen wahrgenommen. Im Laufe seiner UFC-Zeit wurde sein Stil kontrollierter. Er lernte, Kämpfe über Distanz, Rundenverteilung und eigene Takedowns zu steuern. Die Mehrzahl seiner Siege holte er nach Punkten.

Genau darin liegt die Gefahr für Duric. Diakiese muss keinen offenen Schlagabtausch annehmen. Er kann versuchen, das Tempo zu reduzieren, Durics Vorwärtsbewegung mit Kicks zu unterbrechen und ihn zu ungeduldigen Angriffen zu verleiten.

Durics beste Phase dürfte beginnen, wenn er Diakiese an den Käfig drängen und dort Schläge mit Takedown-Ansätzen verbinden kann. Dafür muss er den Raum kontrollieren, anstatt dem beweglichen Briten hinterherzulaufen. Am Boden besitzt Duric inzwischen die Übergänge und das Ground-and-Pound, um auch einen erfahrenen Gegner unter Druck zu setzen.

Diakiese wird dagegen vermeiden wollen, längere Zeit in der unteren Position festgehalten zu werden. Seine Aufgabe besteht darin, Duric immer wieder zum Neuaufbau seiner Angriffe zu zwingen. Je länger der Kampf offen bleibt, desto wertvoller könnte seine Erfahrung werden.

Die Kulisse erhöht den Druck

Für Duric ist Frankfurt Heimat – und die Unterstützung von Zehntausenden Zuschauern ein offensichtlicher Vorteil. Eine solche Kulisse kann einen jungen Kämpfer jedoch auch dazu verleiten, den besonderen Moment erzwingen zu wollen.

Diakiese hat bereits bei großen UFC-Veranstaltungen gekämpft. Er kennt Gegner, die mit hohem Tempo beginnen, und Arenen, die nicht auf seiner Seite stehen. Duric muss deshalb nicht nur technisch, sondern auch in seiner Entscheidungsfindung reifer auftreten als in seinen bisherigen Kämpfen.

Die ersten Minuten werden viel verraten. Kämpft Duric geduldig hinter seinem Druck und bringt seine Angriffe sauber zusammen, kann er Diakieses Erfahrung neutralisieren. Läuft er dagegen unvorbereitet in dessen Konter oder Kicks, könnte aus dem Heimvorteil schnell zusätzlicher Druck werden.

Ein Kampf mit Folgen für beide

Ein Sieg über Diakiese würde Duric nicht automatisch zum nächsten Titelherausforderer machen. Mit Champion Mateusz Legierski sowie Ivan Buchinger und Gökhan Aksu vor ihm bleibt die Spitze des Leichtgewichts dicht besetzt. Der Erfolg würde seinen dritten Rang aber erstmals mit einem international bekannten Namen unterfüttern.

Diakiese kann sich bei seinem Debüt ebenfalls unmittelbar in dieser Spitzengruppe positionieren. Schlägt er eines der größten deutschen Talente, wäre er nicht nur ein prominenter Neuzugang, sondern sofort ein sportlich relevanter Faktor der Gewichtsklasse.

Genau deshalb ist das Duell mehr als eine attraktive Paarung auf einer großen Stadionkarte. Duric will aus seinem Potenzial einen belastbaren Anspruch machen. Diakiese will beweisen, dass seine internationale Erfahrung weiterhin Gewicht hat. Am 26. September erhält einer von beiden das überzeugendere Argument.

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