Oblique Kicks auf dem Prüfstand
Nach UFC 331 will Kaliforniens Kommissionschef Andy Foster seitliche Tritte gegen das Knie prüfen lassen. Verboten ist die Technik bislang nicht.

Seitliche Tritte gegen das Knie sind im professionellen MMA legal. Nach UFC 331 will Andy Foster, Geschäftsführer der California State Athletic Commission, jedoch prüfen lassen, ob sogenannte lateral knee kicks künftig als Foul gelten sollen. Beschlossen ist bislang nichts.
Auslöser war der Mittelgewichtskampf zwischen Brunno Ferreira und Edmen Shahbazyan in Los Angeles. Ferreira trat mehrfach seitlich zum vorderen Knie. Shahbazyan protestierte beim Referee, die Aktionen waren nach geltendem Regelwerk aber legal. Shahbazyan gewann anschließend einstimmig mit 29:28, 29:28 und 30:27.
Noch ist kein Verbot beschlossen
Bei der öffentlichen Nachbesprechung der kalifornischen Kommission sprach Foster davon, über „making lateral knee kicks a foul“ diskutieren zu wollen. Einen Regelantrag oder ein sofortiges Verbot kündigte er nicht an.
Für eine breit gültige Änderung der Unified Rules wäre ein formaler Prozess innerhalb der Association of Boxing Commissions nötig. Anschließend müssten die einzelnen Kommissionen die Neuregelung übernehmen. Kalifornien könnte eigene strengere Vorgaben beschließen, müsste dafür aber ebenfalls ein formales Verfahren durchlaufen.
Technik und Streitpunkt
Als Oblique Kick wird meist ein geradliniger oder seitlicher Tritt mit Sohle beziehungsweise Ferse gegen das vordere Bein bezeichnet. Foster sprach ausdrücklich von lateral knee kicks und damit nicht pauschal von jedem Frontkick oder Tritt zum Oberschenkel. Die Technik dient vor allem dazu, Distanz zu kontrollieren, Vorwärtsdruck zu stoppen und das Führungsbein des Gegners zu binden.
Kritiker sehen ein besonderes Verletzungsrisiko, weil die Kraft bei einem belasteten oder fast gestreckten Bein direkt auf Knie und Bänder wirken kann. Befürworter verweisen darauf, dass MMA auch andere potenziell schwere Gelenk- und Kopfangriffe erlaubt. Belastbare Daten zur tatsächlichen Häufigkeit schwerer Verletzungen durch diese Kicks wurden mit Fosters Vorstoß bislang nicht vorgelegt.
Im MMA erlaubt, im Kickboxen verboten
Lineare oder seitliche Tritte zum Knie stehen nicht in der Foulliste der Unified Rules. Ein ABC-Regelkomitee prüfte „linear strikes to the knee joint“ bereits 2009 nach Anderson Silva gegen Thales Leites und empfahl, sie legal zu lassen. Die wichtigsten Fouls erklärt CS.C unter MMA-Regeln einfach erklärt.
Im professionellen Kickboxen unter dem ABC-Regelwerk gelten „thrusting or linear kicks directed at the knee joint“ dagegen ausdrücklich als Foul. Diese Formulierung könnte als Grundlage dienen, lässt sich wegen der anderen Distanz, Kampfhaltung und Takedown-Gefahr aber nicht automatisch auf MMA übertragen.
Eine präzise Grenze wäre entscheidend
Die Diskussion ist nicht neu. 2021 stoppte Khalil Rountree Jr. Modestas Bukauskas bei UFC Vegas 36 mit einem Tritt zum Knie. Der TKO führte zu einer erneuten Prüfung, aber nicht zu einer Regeländerung.
Eine neue Regel müsste eindeutig festlegen, ob nur direkte Tritte auf das Kniegelenk oder auch Treffer knapp darüber verboten wären. Eine zu weite Definition könnte gewöhnliche Distanz- und Low Kicks erfassen; eine zu enge wäre für Referees schwer anwendbar. Bis ein konkreter Wortlaut und ein formaler Beschluss vorliegen, bleiben Oblique Kicks und seitliche Knietritte im MMA legal.
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Quellen
- UFC: Offizielle Scorecards zu UFC 331
- UFC: Eventseite zu UFC 331
- Sherdog: Andy Foster will seitliche Knietritte diskutieren
- ABC: Aktuelle Unified Rules
- ABC: Committee Report zu den Unified Rules und linearen Knietritten
- ABC: Unified Rules of Professional Kickboxing
- ABC: Protokoll der Regeländerungen von 2024
- MMA Fighting: Fighter zur Oblique-Kick-Debatte von 2021
- UFC: Rountree stoppt Bukauskas bei UFC Vegas 36