News · 9. September 2026

Trotz 5:1-Bilanz: UFC lässt Michael Page ziehen

Michael Page verlässt die UFC mit fünf Siegen aus sechs Kämpfen. Während MVP MMA und BKFC bereits Interesse zeigen, wäre auch OKTAGON eine reizvolle europäische Option.

Michael Venom Page spricht nach seinem Punktsieg gegen Nursulton Ruziboev bei UFC Paris in ein UFC-Mikrofon
Bild: UFC / offizielles Post-Fight-Interview · Redaktionelle Verwendung: CS.C

Michael „Venom“ Page hat fünf seiner sechs UFC-Kämpfe gewonnen. Trotzdem wird es vorerst keinen siebten geben: Die UFC verlängert den ausgelaufenen Vertrag des 39-jährigen Briten nicht.

UFC-Präsident Dana White bestätigte die Entscheidung nach der jüngsten Ausgabe der Contender Series. Pages Auftritt gegen Nursulton Ruziboev bei UFC Paris war demnach sein letzter Kampf unter dem bisherigen Vertrag.

„Das war sein letzter Kampf im Vertrag. Ich glaube nicht, dass wir ihn wieder verpflichten“, erklärte White knapp. Zuvor war Page bereits aus der UFC-Rangliste entfernt worden. Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Page wurde nicht nach einer Niederlage entlassen. Sein Vertrag endete – und die UFC entschied sich gegen eine Verlängerung.

Ein Sieger ohne neuen Vertrag

Sportlich ist die Entscheidung bemerkenswert. Page beendet seine UFC-Zeit mit einer Bilanz von 5:1. Seine einzige Niederlage kassierte er gegen Ian Machado Garry. Seitdem gewann er vier Kämpfe in Folge und steht insgesamt bei 26 Siegen aus 29 MMA-Kämpfen.

Was ihm in der UFC fehlte, war jedoch jener spektakuläre Abschluss, auf dem ein großer Teil seines Rufes basiert. Keinen seiner sechs Auftritte im Octagon konnte Page vorzeitig beenden.

Auch gegen Ruziboev gewann er nach Punkten. Der Kampf verlief kontrolliert, aber über weite Strecken ereignisarm und wurde vom Publikum in Paris mit Buhrufen begleitet. White nannte keinen ausführlichen Grund für die Trennung. Der Zusammenhang liegt dennoch nahe: Gute Resultate allein reichten offenbar nicht aus, um Pages Alter, Marktwert und wenig publikumswirksame Kampfverläufe aufzuwiegen.

Dabei bleibt die Verantwortung für diese Kämpfe umstritten. Page ist am gefährlichsten, wenn Gegner auf ihn zukommen und ihm Räume für seine schnellen Konter geben. Viele seiner UFC-Gegner verweigerten genau dieses Risiko. Sie warteten, hielten Abstand und zwangen Page dadurch ebenfalls zu einem kontrollierten Vorgehen.

Das Ergebnis ist das Paradox, das CS.C bereits nach UFC Paris beschrieben hat: Einer der ungewöhnlichsten Striker seiner Generation wird nicht für Niederlagen kritisiert, sondern für Kämpfe, in denen seine Gegner möglichst wenig mit ihm kämpfen wollen.

„MVP zu MVP“: Jake Paul macht den ersten Schritt

Die derzeit naheliegendste Option trägt zufällig dieselben Initialen wie Michael Venom Page.

Jake Paul reagierte öffentlich auf Pages UFC-Aus und schrieb: „Think it’s time to bring MVP to MVP.“ Gemeint ist MVP MMA, das neue MMA-Angebot der mit der PFL fusionierten Most Valuable Promotions. Eine Verpflichtung wurde damit noch nicht verkündet, das öffentliche Interesse ist jedoch eindeutig.

Die Verbindung wäre in mehrfacher Hinsicht plausibel. Das gemeinsame Unternehmen vereint MMA und Boxen unter einer Marke, verfügt über das internationale Vertriebsnetz der PFL und bezeichnet sich ausdrücklich als offen für prominente Free Agents. Page könnte dort im MMA eingesetzt werden, hätte aber auch die Möglichkeit, weitere Boxkämpfe zu bestreiten.

Zudem ist Page dem Publikum aus dem ehemaligen Bellator-Umfeld bestens bekannt. Anders als bei der UFC müsste die Promotion nicht erst erklären, was ihn besonders macht. Sie könnte ihr Programm gezielt um seinen Namen und seinen eigenwilligen Stil herum aufbauen.

Auch BKFC öffnet die Tür

Eine weitere konkrete Möglichkeit ist die Rückkehr zum Bare-Knuckle-Boxen.

BKFC-Präsident Dave Feldman erklärte bereits, dass seine Organisation Page willkommen heißen würde. Page trat 2022 gegen Mike Perry für BKFC an und verlor einen engen Kampf per Mehrheitsentscheidung. Feldman ist überzeugt, dass das Bare-Knuckle-Regelwerk Page zu einem offensiveren Kampf zwingen und damit eine unterhaltsamere Version des Briten hervorbringen würde.

Für Page wäre das wahrscheinlich die spektakulärste, aber auch körperlich riskanteste Variante. Ein großer Einzelkampf könnte finanziell interessant sein. Ob BKFC ihm darüber hinaus die sportliche Perspektive bieten kann, die er im MMA möglicherweise weiterhin sucht, ist eine andere Frage.

Wäre OKTAGON eine Option?

Auch OKTAGON MMA wäre auf dem Papier ein interessanter Kandidat. Page besitzt einen hohen Bekanntheitsgrad in Europa, spricht ein britisches Publikum an und bringt genau jene Persönlichkeit mit, die sich für große Arenaveranstaltungen vermarkten lässt.

Eine Verpflichtung könnte sowohl für britische Events als auch für die großen Shows in Deutschland attraktiv sein. Page müsste dort nicht zwingend als langfristiger Titelanwärter aufgebaut werden. Bereits einzelne, gezielt inszenierte Hauptkämpfe könnten funktionieren.

Bislang gibt es allerdings keinen öffentlichen Hinweis auf Gespräche oder ein Angebot von OKTAGON. Anders als bei MVP MMA und BKFC handelt es sich deshalb ausdrücklich um eine mögliche Konstellation – nicht um eine aktuelle Spur.

Ähnliches gilt für andere internationale Veranstalter. RIZIN könnte Pages spektakulären Stil in einem passenden Einzelkampf inszenieren, während KSW eine weitere große europäische Bühne bieten würde. Öffentlich dokumentiertes Interesse liegt derzeit aber auch dort nicht vor.

Page hat mehr als eine Wahl

Michael Page verlässt die UFC nicht als gescheiterter Kämpfer. Er verlässt sie mit einer Siegesserie, einer Gesamtbilanz von 26:3 und einem Namen, der weiterhin Aufmerksamkeit erzeugt.

Seine nächste Entscheidung wird zeigen, welche Priorität er setzt. MVP MMA bietet die logischste langfristige Plattform. BKFC verspricht den größten unmittelbaren Unterhaltungswert. OKTAGON wäre die spannendste europäische Außenseiterlösung.

Die UFC hat Pages besondere Fähigkeiten nie vollständig in einen großen Moment übersetzen können. Vielleicht braucht er deshalb nicht einen weiteren Gegner – sondern eine Organisation, die bereit ist, ihre Bühne passend zu ihm aufzubauen.

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Quellen

Michael Page verlässt UFC trotz 5:1-Bilanz | CS.C