Geltungsbereich und aktueller Stand
Die Wettkampfbestimmungen des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV) regeln das olympische Boxen im deutschen Verbandsbereich. Sie binden DBV-Mitglieder und Personen, die an einer nach diesen Regeln ausgetragenen Veranstaltung teilnehmen. Für Profiboxkämpfe oder ausländische Promotions gelten nicht automatisch dieselben Regeln. Bei internationalen Verbandswettbewerben können außerdem die Bestimmungen des zuständigen Welt- oder Kontinentalverbandes maßgeblich sein.
Bis einschließlich 31. Oktober 2026 bleibt die bisherige WB in Kraft. Am 1. November 2026 tritt die vollständig neu gefasste WKB in Kraft. Der DBV hat das Regelwerk nach eigenen Angaben über drei Jahre neu geschrieben, um Begriffe, Zuständigkeiten und Abläufe einheitlicher und genauer zu regeln. Die neue Abkürzung WKB vermeidet eine Verwechslung mit dem Weltverband World Boxing.
Kampfzeit, Altersklassen und Ausrüstung
Ein regulärer DBV-Wettkampf besteht aus drei Runden. Erwachsene und U19 boxen drei Minuten pro Runde, U17 zwei Minuten, U15 eineinhalb Minuten und U13 eine Minute. Die Pause beträgt jeweils eine Minute. Die Einteilung reicht von U13 bis Erwachsene; im olympischen Wettkampfbetrieb endet die Teilnahme grundsätzlich mit dem Kalenderjahr des 40. Geburtstags.
Bis einschließlich der Gewichtsklasse über 60 bis 65 Kilogramm werden grundsätzlich 10-Unzen-Handschuhe verwendet, ab der Gewichtsklasse über 65 bis 70 Kilogramm und darüber 12-Unzen-Handschuhe. Ein Kopfschutz ist vorgeschrieben, wenn eine Frau boxt oder mindestens einer der beiden Wettkämpfer der U19, U17, U15 oder U13 angehört. Die geltenden Gewichtsgrenzen stehen in den Anhängen der WKB. Eine Übersicht bietet Gewichtsklassen im Boxen.
Wie ein Kampf gewertet wird
Gewertet wird rundenweise nach dem 10-Point-Must-System. Der Rundensieger erhält zehn Punkte, der unterlegene Boxer je nach Abstand neun, acht oder sieben. Ab 1. November 2026 nennt die WKB eine klare Reihenfolge: Zuerst zählt die Zahl sauberer regelkonformer Treffer. Ist sie nahezu gleich, entscheiden technische und taktische Überlegenheit. Erst danach werden Aktivität und Kampfinitiative herangezogen. Eine Verwarnung führt zu einem Punktabzug auf jeder Punktrichterwertung.
Deutsche Meisterschaften und Landesmeisterschaften werden mit fünf Punktrichtern besetzt; bei anderen Veranstaltungen sind drei oder fünf möglich. Ein Evaluator kann die Arbeit der Kampfrichter beobachten und für Ausbildung oder ein Bewertungssystem dokumentieren, greift aber nicht in den Kampf oder das Urteil ein.
Kampfentscheidungen und Proteste
Ein Kampf kann unter anderem nach Punkten, durch KO, Abbruch (RSC), verletzungsbedingten Abbruch (RSC-I), Aufgabe, Disqualifikation, Nichtantreten oder als No Contest enden. Punkt- und Tatsachenentscheidungen sind grundsätzlich unanfechtbar. Der Supervisor darf eine Entscheidung nur ändern, wenn ein erheblicher Regelverstoß bei Ansetzung oder Durchführung zweifelsfrei feststeht und den unterlegenen Wettkämpfer relevant benachteiligt hat. Seine Entscheidung ist nach der neuen WKB endgültig.
Gesundheit und Schutzsperren
Nach einem KO muss der betroffene Wettkämpfer zum Ringarzt und erhält eine Schutzsperre. Ab November 2026 beträgt sie beim ersten Mal mindestens 30 Kalendertage. Eine erneute Sperre innerhalb von drei Monaten nach Ablauf der ersten dauert drei Monate; nach einer weiteren aufeinanderfolgenden Sperre gilt ein Jahr. Währenddessen sind Wettkämpfe und wettkampfnahe Trainingsformen verboten. Vor der Rückkehr ist eine ärztliche Freigabe erforderlich, gegebenenfalls zusätzlich eine neurologische Untersuchung.
Neu ausdrücklich geregelt ist außerdem die Nachsorge: Ein lizenzierter Trainer oder Sekundant muss nach der Belehrung durch den Ringarzt eine ununterbrochene Aufsicht für 24 Stunden sicherstellen, bei Minderjährigen die Erziehungsberechtigten informieren und alle am Training beteiligten Personen über die Sperre unterrichten.
Lizenzen und andere Kampfsportarten
Die neue WKB bündelt den Wettkampfbetrieb in einem eigenen DBV-Lizenzsystem für Boxer, Trainer, Cutmen, Kampfrichter, Ringärzte und Supervisoren. Besonders weitreichend ist § 5 Absatz 5: Boxer und Trainer, die sich an MMA, Bare-Knuckle- oder sogenanntem Käfigboxen beteiligen, können keine DBV-Lizenz erhalten; bestehende Lizenzen sollen mit der Beteiligung automatisch erlöschen. Kickboxen ist von dieser Ausschlussregel ausdrücklich ausgenommen. Andere Einsätze außerhalb des DBV-Bereichs, insbesondere im Profiboxen, benötigen grundsätzlich eine vorherige DBV-Genehmigung.
Weitere Änderungen ab November 2026
Beim Wechsel des Vereins verkürzt sich die reguläre Startsperre von zwei Monaten auf einen Monat. Nationale Veranstaltungen müssen grundsätzlich mindestens 21 Tage vorher beim Landesverband beantragt werden. Internationale Veranstaltungen und Auslandsstarts werden über das DBV-Portal genehmigt. Die WKB regelt außerdem Werbung, Integrität und das Verhalten von Kampfrichtern wesentlich ausführlicher.
Ein neuer Abschnitt begrenzt weltanschauliche Äußerungen im Verantwortungsbereich einer Veranstaltung. Werbung für Parteien oder religiöse Organisationen ist ebenso untersagt wie bestimmte strafbare, rassistische, extremistische oder separatistische Inhalte. Ausländische Flaggen und Hymnen sind grundsätzlich ausgeschlossen; eine Ausnahme gilt bei internationalen Veranstaltungen für anerkannte Nationen oder Gebiete, deren Athleten sie offiziell vertreten.
Was gegenüber 2025 offen bleibt
Die neue WKB enthält einige konkrete Nachwuchsgrenzen der Fassung von 2025 nicht mehr: Dort waren außerhalb bestimmter Turniere Mindestpausen von vier beziehungsweise fünf Tagen, eine siebentägige Regenerationspause nach mehr als zwei Turnierkämpfen an aufeinanderfolgenden Tagen sowie jährliche Höchstzahlen von zwölf U13- und zwanzig U15-Kämpfen festgeschrieben. Die veröffentlichte Neufassung nennt stattdessen grundsätzlich einen Kampf pro Kalendertag und mindestens zwölf Stunden Abstand. Ob die früheren Grenzen an anderer Stelle fortgeführt werden, erläutert die Veröffentlichung des DBV nicht.